Happy Lifestyle
Fünf Dinge die mir nicht ins Haus kommen

So ein Umzug hat auch etwas Gutes. O.k. man schwebt Wochen im Ausnahmezustand, hinkt hinterher mit seiner Administration und muss sich an vieles neu gewöhnen. Aber es bringt auch neue Chancen mit sich. Man überdenkt seine Routine, erlebt Freude an dem was einem früher als Lästig erschien (bei mir ist das momentan Kochen), und wird sich bewusst über Dinge die für einen wesentlich sind aber auch die Dinge auf die man gut verzichten kann.

Über letzteres soll es in diesem Post gehen. Dank meines Umzuges habe ich gemerkt auf was ich gut verzichten kann. Teils war der Verzicht schon vorab geplant, teils hat er sich spontan ergeben.

Die tägliches Ration Gammeln vor der Glotze

Schon einige Monate vor meinem Umzug und damit vor dem Alleine-Wohnen war mir klar, dass ich keinen Fernseher nehmen werde. Ich kenne mich einfach zu gut. Wenn das Ding erstmal an steht kann ich mich einfach nicht mehr durchringe es auszuschalten. Somit habe ich die letzten Jahre mehrere Abende die Woche Stunden vor der Glotze verbracht. Anfänglich lag es wohl am Nachholbedarf, ich hatte drei Jahre ohne Fernseher gelebt. Aber irgendwann habe ich gedankenlos jeden Scheiß aufgesogen: Frauen beim Kauf ihres Brautkleides, Mormonen und ihr polygames Leben oder Talkshows in denen Stars angehimmelt werden und von ihrem (stinknormalen) Alltag berichten.

Das Vornehmen erschien mir erst ziemlich beängstigend. Bei meiner Housesitting Tour letzten Sommer habe ich aber gemerkt, dass mich, selbst wenn ich alleine bin, das Fernsehprogramm gar nicht mehr interessiert. In den fünf Wochen habe ich kein Fernsehprogramm – außer Turnen und Leichtathletik –  länger als 5 Minuten ausgehalten. Gelangweilt habe ich einfach wieder ausgeschaltet. Diese Erfahrung hat mich bestärkt es einfach mal ohne Fernseher auszuprobieren.

Was ich stattdessen machen möchte? Natürlich erhoffe ich mir meine Abende etwas effektiver zu gestalten; öfter Kochen, selbst nach einem langen Arbeitstag auch mal Bloggen und mehr Lesen. Auch möchte ich endlich mal früher ins Bett gehen, egal ob unter der Woche oder am Wochenende! Aber ich erhoffe mir noch mehr. Ich möchte mich mit Langeweile konfrontieren und sehen was bei raus kommt. Was macht mir tatsächlich Spaß? Was vermisse ich? Werde ich tatsächlich früher ins Bett gehen, mehr Leser oder einfach das Fernsehen mit Sport kompensieren… oder schaue ich einfach noch öfter aus dem Fenster und den Blätter beim Rauschen zu? Wir werden es sehen. Alles ist gut, Hauptsache es ist etwas anders als sich passiv Stunden lang berieseln zu lassen.

Konfrontation im Ganzkörperspiegel

Erst letzten Samstag, fünf Wochen nach meinem Umzug, habe ich meinen großen Spiegel ausgepackt und aufgestellt.. nur um ihn einen Tag später wieder aus dem Schlafzimmer zu verbannen. Waren die letzten Wochen Problemzone, körperliche Merkmale des Älterwerdens und andere Äußerlichkeiten kaum ein Thema, so merkte ich wie sie mich in diesen 24 Stunden mit Ganzkörperspiegel neben dem Kleiderschrank mehr und mehr beschäftigten. Ungeplant erhaschte ich mein nacktes Spiegelbild beim Anziehen nach dem Duschen und nahm dies zur Einladung es genauer und vor allem kritisch zu betrachten. Das gleiche passierte, als ich mich plötzlich im Schlabberlook erkannte. Und auch am nächsten morgen – diesmal prima gekleidet – betrachtete ich meinen Spiegelbild voller Skepsis. All das führte nicht etwas zu Stolz, Zufriedenheit oder einfach Gelassenheit, sondern zu Selbstkritik. Diese kritische Haltung meinem Körper gegenüber hatte ich ihn den Wochen ohne Spiegel so nicht wahrgenommen. Bevor ich mich wieder an diesen Spiegel gewöhnen sollte habe ich ihn vorläufig weggestellt.. in den Flur. Falls ich ihn wirklich mal brauchen sollte, weiß ich wo er steht, aber spontan wird er mich nicht mehr überfallen.

Kristallzucker für die Gäste

Schon seit Jahren verzichte ich auf jegliche Art von raffiniertem Zucker. Auch Süßstoffe wie Honig und Agaven-, Reis- oder Maissirup versuche ich so oft es geht zu vermeiden. Wesentlich um diese Art der Enthaltsamkeit konsequent durchzuziehen ist jegliche Art der Versuchung zu minimieren. Ich kaufe einfach nichts was ich nicht essen möchte. Zucker hatte ich aber trotzdem immer noch im Haus; für den Notfall (diese ist noch nicht eingetreten), vor allem für wenn Freunde gerne Zucker oder Honig im Kaffee oder Tee möchten.  Aber selbst damit soll jetzt Schluss sein. Der wertvolle Platz in meiner mini-Küche ist mir einfach zu schade für Vorräte die ich selber niemals essen werden. Die wenigen Male, dass ein Besuch Zucker oder Honig möchte, hat dieser einfach mal Pech gehabt. Es klinkt egoistisch und nicht grade gastfreundlich und das ist es vielleicht auch, aber wenn man so alleine lebt darf man das auch mal sein.

Kekse und andere Leckereien kaufe ich für Besuch übrigens immer noch, gebe die Reste dann aber auch immer gleich mit.

Synthetische Düfte die Überhand nehmen

Seit fast 6 Jahren nutze ich konsequent Naturkosmetik. Auch beim Putzmittel bin ich auf natürliche Alternativen umgestiegen (meine Lieblinge sind immer noch die Produkte der Firma Sonett), das gleiche gilt für Parfüm.

Ziemlich schnell nach dem Umstieg habe ich gemerkt wie empfindlich meine Nase auf synthetische Düfte reagiert. Es macht sich ein Brennen in meinen Atemwegen breit, und auch Kopfschmerzen treten in Windeseile auf. Mein Körper ist diese synthetischen Duftbomben einfach nicht mehr gewöhnt. Das alleine ist Grund genug weiterhin drauf zu verzichten. Aber es gibt noch mehr Gründe warum ich keine synthetischen Düfte mehr in meine Wohnung lassen; sie übertönen einfach alles und jeden und meine Wohnung kommt mir vor als sei sie von Unilever, Kraft und Co besetzt worden. Auch sind die aufdringlichen Düfte von synthetischen Klosteinen, Badreiniger und selbst von Spülis immer die gleichen. Ich möchte aber nicht, dass meine Wohnung von internationalen Multinationals besetzt wird oder wie jede andere riecht. Auch möchte ich jeden einzelnen noch so subtilen Duft wahrnehmen können, z.B. den von meinem neuen Holzregal, von meinem liebsten Pfirsich Tee, von frischen Äpfeln die in der Obstschale shinen oder von der Strickjacke die ich vor Wochen bei einer Freundin habe liegen gelassen und nun ganz leicht nach ihr duftet. Es gibt einfach so viele tolle Düfte die an die schönen Dinge des Leben erinnern. Da wäre es schade diese mit Klosteinen, Spüli oder selbst mit einem Chanel Parfüm zu übertönen,

Das Ticken der Zeit

Mein Zuhause soll eine Oase von Ruhe und Gelassenheit sein. Oft stehe ich mir bei der Verwirklichung dieses Zieles leider selber im Wege. Was mir jedoch hilft ist jegliche Art von Zeitdruck zu minimieren. Wie mir das gelingt? Ich minimiere den Blick auf die Uhr.  Uhren und Wecker gibt es bei mir nicht (bis auf meine Armbanduhr die ich zu Hause aber immer ablege, und natürlich mein Handy und die Uhr auf meinem Laptop).

Das Ticken der Zeit gerät somit in den Hintergrund. Und falls ich doch mal die Zeit im Auge behalten muss, gibt es ja immer noch die Weckfunktion im Handy. Den Wecker stelle ich mir dann auch mal wenn ich nachmittags noch einen Termin habe oder die Yogastunde nicht verpassen möchte. So kann ich bis dahin versuchen einen Raum für mich zu kreieren in dem ich Zeitdruck loslassen kann.

Welche Gegenstände habt ihr aus Eurer Wohnung verbannt? Könnt ihr Euch vorstellen ohne Fernseher oder Ganzkörperspiegel zu leben? Ich bin gespannt auf Eure Kommentare.

Liebe Grüße und ‚veel liefs’,

Eure Liv

8 Comments

  • Sophie sagt:

    Hi Liv,
    Glückwunsch nochmal zur neuen eigenen Wohnung!
    Ich habe nach meiner Rückkehr aus dem Ausland auch meinen Fernseher verbannt. Die einzige Gefahr ist, dass man sinnloses vor der Glotze gammeln durch sinnloses im Internet daddeln ersetzt… 😉 ich vermisse den Fernseher kein Stück und merke das auch jedes Mal, sollte ich irgendwo sein, wo es einen gibt.
    Und was mir nicht uns Haus kommt, ist eine Waage. Ähnlich wie bei dir der Spiegel, führt die bei mir zu endloser Selbstkritik (keine Ahnung warum, habe das was andere als super Figur bezeichnen). Da verlasse ich mich auf mein Körpergefühl. Ich merke das schon an meiner Lieblingsjeans, wenn ich etwas zunehme. So kann ich viel liebevoller mit mir umgehen 🙂
    Hoffe das gelingt dir auch auf deine Weise!
    xx
    Sophie

  • Nije sagt:

    Liebe Liv,

    ein Umzug ist immer ein guter Anlass, um sich etwas neu zu strukturieren – finde ich 🙂
    Ich kann den Fernseher-Punkt sehr gut verstehen. Ich besitze schon (eben mal nachgerechnet) seit 8 Jahren keinen mehr und langweile mich auch, wenn irgendwo mal einer an ist. Was trotzdem Spaß ist, ein, zwei Serien am Laptop zu gucken 🙂 Aber dafür entscheide ich mich dann ja immer ganz bewusst!
    Ein für mich ganz wichtiger Punkt ist, nicht zu viele Sachen zu besitzen. Das macht sich natürlich auch in der Wohnung bemerkbar. Nicht, weil ich mir das als Regel gesetzt habe, sondern weil es mir besser geht, wenn ich etwas Klarheit um mich herum habe.

  • Ich musste sehr schmunzeln; viele Dinge scheinen wir unbewusst so zu machen.
    Einen Fernseher haben wir allerdings schon noch – mein Freund ist einfach ein Sportjunkie (sowohl aktiv als auch passiv), während meines BA-Studiums hatte ich allerdings auch keinen und kann auch gut ohne Leben. Dank Netflix und Co. gucken wir gezielt Serien und Filme, ‘normales’ Fernsehen eigentlich nie…außer die polygamen Mormonen, die finde ich auch ganz gut^^.
    Einen Ganzkörperspiegel haben wir nur im Bad und da dies gleichzeitig ein drehbarer Schrank ist, nicht zwingend notwendig. Aber Du hast vollkommen Recht; je häufiger man sich sieht desto kritischer wird man.
    Uhren hängen bei uns nirgends – außer die integrierten. Ich trage selbst nicht mal eine Armbanduhr.
    Kristallzucker haben wir noch; aber nur, weil mein Freund den hin und wieder zum Backen verwendet. Den Ansatz finde ich aber toll: klar, Gastfreundschaft ist eine Sache, aber warum Dinge da behalten, die man sonst nie konsumiert, nur um sie für den Fall, dass…da zu haben…

  • Klaine sagt:

    Ich habe auch keinen Ganzkörperspiegel seit ein paar Jahren. Nur den Spiegel im Bad, welcher nur meinen Kopf zeigt. Ansonsten versuche ich manchmal im Fernseher meine Figur zu sehen, wenn ich neue Kleidung habe. Die neuen Plasmafernseher sind jedoch nicht mehr sehr spiegelnd 🙁
    Ansonsten haben wir unsere Mikrowelle abgeschafft. Sie funktioniert zwar noch und ich habe Probleme mich von ihr zu trennen, da diese Mikrowelle 30 Jahre alt und so alt wie ich ist (sie hat vorher meinen Eltern gehört), allerdings ist der Kasten riesig und sie ist leider auch verrostet. Gesund sind die Dinger ja auch angeblich nicht wirklich. Ich vermisse sie, besonders um mir mal einen Kinderpunsch warm zu machen…
    Ganz liebe Grüße!

  • Sonja sagt:

    Liebe Liv,

    gerade wegen solchen, ehrlichen und authentischen Beiträgen lese ich hier so gerne – wenn auch meist etwas später.
    Wir hatten noch nie einen Fernseher und gehen lieber ins Kino oder schauen daheim ausgewählte Filme an.
    Leider nimmt die Qualität im Fernsehen stätig ab, wie ich hin und wieder aus unserem Umfeld erfahren darf – von Lügengeschichten möchte ich erst gar nicht anfangen…
    Ich freue mich immer darüber, mit welcher Weisheit/Weitsicht Du in Deinen jungen Jahren das Leben betrachtest und in vielen Punkten erkenne ich mich wieder.
    Bei mir sind es mittlerweile weit mehr als zwanzig Jahre, seitdem ich keine Konventionelle Kosmetik (dito Waschmittel, Putzmittel) verwende und ich kenne ebenfalls dieses Brennen bis hin zu Kopfschmerzen, wenn ich damit zu stark in Berührung komme.
    Mit dem Zucker bin ich zur Zeit nicht ganz so konsequent.
    Da ich es schon einmal für ein gutes halbes Jahr praktiziert habe, es allerdings schon länger her ist, möchte ich es auf jeden Fall wieder versuchen – mir sind die Vorteile davon sehr wohl bewusst!
    Zumindest gönne ich mir nur noch Schokolade aus dem Bioladen und seit einer sehr, sehr langen Zeit esse ich keinen weißen, raffinierten Zucker mehr.
    Je mehr ich bei mir ankomme, stelle ich fest, dass es tatsächlich sehr, sehr wenige Dinge sind, welche wir benötigen – weshalb ich immer wieder ausmiste und ganz genau überlege, was ich kaufe.
    Übrigens hatten wir auch nie eine Mikrowelle.
    Ich beschäftige mich schon sehr lange mit dem Thema der Gesundheit und abgesehen von der Strahlung einer Mikrowelle – Vorsicht bei Herzschrittmachern – tötet eine Mikrowelle die Lebensenergie ab.
    Die Nährstoffe sind zwar nachweisbar, jedoch vergessen viele, dass es die Lebensenergie (LEBENS-Mittel) ist, welche uns tatsächlich nährt und nicht ausschließlich die Nährstoffe – ein wirklich weites Thema, womit man sich näher beschäftigen sollte…
    Danke für Deine Zeit, welche Du Dir immer wieder für tiefgründige Gedankengänge nimmst 🙂

    Herzliche Grüße,

    Sonja

  • Daniela aus Berlin sagt:

    Ach, schöner Post! Und fein, dass Du Dir ein gutes Zuhause schaffst!

    Ich habe seit 13 Jahren keinen Fernseher mehr und vermisse gar nichts. Ich wohne in der Nähe der Amerikanischen Gedenkbibliothek in Berlin un versorge mich jede Woche mit neuem Lesefutter – die habe wirklich alles, sogar meine geliebten Graphic Novels. Thema Bücher hat auch mit Thema Platz bei mir zu tun – ich leihe Bücher nur noch aus und besitze sie nicht mehr. Lange Bücherwände mögen ja schick aussehen (und man kann “prahlen”), aber ich mag Platz in meiner Wohnung.

  • Hey, da erkenne ich mich in einigen Punkten wieder. Insbesondere was den Zucker und die Duftstoffe angeht. Auf beides kann ich ebenfalls gut und gerne verzichten. Einen Fernseher besitze ich zwar, schalte ihn aber äußerst selten ein. Das meiste ist wirklich Zeitverschwendung.
    Liebe Grüße
    Elisabeth

  • Sunny sagt:

    Huhu!
    Ja, bei Deinem einen oder anderen Gedanken habe ich mich wiedererkannt 🙂 Also Zucker haben wir zwar im Haus, aber eher nur für Gäste und ohne TV könnte ich auch gut leben, da ich eher mal auf Netflex oder im Internet was schaue…
    Was bei mir nicht in die Wohnung kommt sind Teppiche. Wir haben überall Laminat oder Fliesen und ich finde es gar nicht kühl damit. Aber irgendwie stören mich Teppiche, da sie Staub produzieren und man den Dreck nicht direkt sehen kann. Ein kleiner Splien vielleicht von mir 😉
    Liebe Grüße
    Sunny
    PS: Schön, dass Du so langsam in Deinem neuen Zuhause “ankommst”

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